Typhus (Typhus abdominalis, Bauchtyphus) ist eine bakterielle Infektionskrankheit des Verdauungstraktes. Sie wird durch das gramnegative Stäbchenbakterium Salmonella Typhi verursacht.
Wie kommt es zur Ansteckung? Die Infektion breitet sich auf fäkal-oralem Weg aus:
Trinken von Wasser, das mit Fäkalien einer erkrankten Person oder eines Trägers verunreinigt ist,
Verzehr kontaminierter Lebensmittel (z. B. Mahlzeiten aus Straßenküchen, mit schmutzigem Wasser gewaschenes Gemüse, Eis),
Übertragung von Bakterien mit schmutzigen Händen in den Mund („Krankheit der schmutzigen Hände“).
Wer ist die Quelle des Erregers? Das einzige Reservoir für Salmonella Typhi ist der Mensch:
eine erkrankte Person,
ein Träger, der Bakterien sogar über ein Jahr lang mit dem Stuhl ausscheiden kann.
Inkubationszeit: Von der Ansteckung bis zum Auftreten der Symptome vergehen gewöhnlich 10–14 Tage, es kann jedoch zwischen ca. 1 bis 3 Wochen dauern – dies hängt u. a. von der Bakteriendosis und der Immunität des Organismus ab.
Wer ist am meisten gefährdet?
Touristen und Reisende, die in Länder mit niedrigem hygienisch-sanitärem Standard reisen,
Personen, die in Endemiegebieten häufig in Straßenküchen essen,
Personen, die einen längeren Aufenthalt (Arbeit, Freiwilligendienst, Familienbesuch) in Risikogebieten planen,
Mitarbeiter im Wasser- und Abwasserbereich, Personen, die beruflich Kontakt mit Abwässern haben, bestimmte Gruppen des medizinischen Personals.
2. Symptome von Typhus
Der Verlauf von Typhus kann schwer sein und lässt sich in mehrere Phasen unterteilen, die jeweils etwa eine Woche dauern. Die Krankheit beginnt oft schleichend – die Symptome nehmen von Tag zu Tag zu.
Häufigste Symptome
Zunächst treten sogenannte „grippeähnliche“ und intestinale Symptome auf:
steigendes Fieber (bis zu 40 °C, meist morgens niedriger und abends höher),
Schwäche, Müdigkeit, Apathie,
Kopfschmerzen,
Bauchschmerzen und Blähungen, Verstopfung oder Durchfall,
Appetitlosigkeit, manchmal Übelkeit,
Schlaflosigkeit.
In einer fortgeschritteneren Phase können auftreten:
Vergrößerung von Milz und Leber,
Mundtrockenheit, brauner Belag auf der Zunge,
Roseolen (Typphus-Roseolen) – feiner, rosafarbener Ausschlag meist am Rumpf,
Bradykardie (verlangsamter Puls) und sog. „relative Bradykardie“ (Puls langsamer als bei dem Fieber zu erwarten),
Unbehandelter Typhus kann zu schweren Komplikationen führen:
Blutungen aus dem Verdauungstrakt,
Geschwüre und Perforation (Durchbruch) des Dünndarms → Bauchfellentzündung,
Sepsis (Blutvergiftung),
Schädigung von Leber, Herzmuskel, Endokarditis, Knochenentzündung,
neurologische und psychiatrische Störungen (Delirium),
Dehydrierung, disseminierte Organabszesse.
Ohne Behandlung enden 10–30 % der Fälle tödlich. Die frühzeitige Einleitung einer Antibiotikatherapie senkt dieses Risiko erheblich.
Wann dringend zum Arzt?
Eine dringende Konsultation (am besten Notaufnahme) ist erforderlich, wenn nach einem Aufenthalt in einem Land mit schlechteren sanitären Bedingungen auftreten:
hohes Fieber > 38,5 °C über mehr als 3 Tage,
starke Bauchschmerzen, „harter“ Bauch, Symptome, die auf eine akute Bauchfellentzündung hindeuten,
Anzeichen deutlicher Dehydrierung (trockene Zunge, sehr wenig Urin, Schwindel).
3. Wo tritt Typhus auf?
Typhus ist eine kosmopolitische Krankheit – sie kann weltweit auftreten, aber das größte Erkrankungsrisiko besteht in Gebieten mit niedrigem Hygienestandard und schlechter Wasserqualität.
Regionen mit höchstem Risiko
Südasien – besonders Indien, Nepal und Nachbarländer,
Südostasien – u. a. Indonesien, andere Länder der Region,
Südamerika – z. B. Peru und ausgewählte Länder mit schlechteren sanitären Bedingungen,
Nord- und Westafrika, andere Teile Afrikas,
ausgewählte Regionen der Karibik und des Nahen Ostens.
In Polen sind Erkrankungen selten und betreffen fast immer Personen, die sich im Ausland angesteckt haben.
Die Wahl des konkreten Präparats hängt von Alter, Gesundheitszustand und Reiseplan ab.
Für wen wird die Impfung empfohlen?
Reisende nach Süd- und Südostasien, viele Länder Afrikas und andere Entwicklungsregionen,
Touristen, die planen, Straßenküchen und lokale, günstige Essensstände zu nutzen,
Personen, die länger (Monate, Jahre) in ein Endemiegebiet reisen,
Mitarbeiter, die Kontakt mit Abwässern haben (z. B. Kommunaldienste, Wasser- und Abwasserwerke),
ausgewählte Gruppen des medizinischen Personals.
Impfschemata – vereinfacht
Polysaccharidimpfstoff (z. B. Typhim Vi, Injektion)
Alter: ab dem 2. Lebensjahr,
1 Dosis intramuskulär,
Impfung am besten mindestens 2–3 Wochen vor Abreise,
Schutz hält ca. 3 Jahre, dann wird eine Auffrischimpfung empfohlen, wenn das Risiko weiterhin besteht.
Lebendimpfstoff, oral (Vivotif, Kapseln)
Alter: gewöhnlich ab 5–6. Lebensjahr,
3 Kapseln auf nüchternen Magen eingenommen:
Tag 1 – 1 Kapsel,
Tag 3 – 1 Kapsel,
Tag 5 – 1 Kapsel,
Kapsel im Ganzen schlucken, ca. eine Stunde vor der Mahlzeit, mit kaltem oder lauwarmem Wasser,
der gesamte Zyklus sollte mindestens 10 Tage vor Abreise abgeschlossen sein,
Schutz hält ca. 3 Jahre – danach erneuter Zyklus als Auffrischimpfung.
Wichtige praktische Hinweise
Wechselwirkungen mit Antibiotika: Der orale Lebendimpfstoff sollte nicht eingenommen werden:
während und unmittelbar nach einer Antibiotikatherapie – empfohlen werden mindestens 3 Tage Pause (länger bei Antibiotika mit langer Wirkdauer, z. B. Azithromycin),
mindestens 3 Tage vor Beginn einer Malaria-Chemoprophylaxe (außer Atovaquon/Proguanil, das gleichzeitig angewendet werden kann).
Kombination mit anderen Impfungen: Der orale Lebendimpfstoff kann gleichzeitig z. B. mit der Gelbfieberimpfung (Stamaril) oder Choleraimpfung (Dukoral) verabreicht werden – gemäß aktuellen Empfehlungen.
Lagerung: Alle Typhusimpfstoffe müssen im Kühlschrank bei 2–8 °C in der Originalverpackung gelagert werden.
Wirksamkeit: Der Impfstoff schützt nicht vor Paratyphus oder anderen Reisedurchfällen. Trotz Impfung muss weiterhin sehr auf Wasser-, Essens- und Händehygiene geachtet werden.
5. Zusammenfassung
Typhus ist eine ernste bakterielle Erkrankung des Verdauungstraktes, die zu Schäden an Darm, Leber, Sepsis und sogar zum Tod führen kann. Das größte Erkrankungsrisiko besteht für Reisende in Länder mit schwachen sanitären Bedingungen in Asien, Afrika oder Lateinamerika.
Die Impfung bietet Schutz für etwa 3 Jahre und senkt das Risiko eines schweren Verlaufs und von Komplikationen erheblich. Besonders in Betracht ziehen sollten sie Personen, die in Endemiegebiete reisen, „auswärts“ essen und einen längeren Aufenthalt planen.
Am besten planen Sie den Besuch in einer Impfstelle etwa 3 Wochen vor der Reise – dann ist Zeit für die Auswahl des Präparats, die Impfung und den Aufbau der Immunität. Auch nach der Impfung ist das Befolgen einfacher Regeln entscheidend: sicheres Wasser, gut gekochtes Essen und häufiges Händewaschen. Dadurch lässt sich das Typhusrisiko auf Reisen deutlich begrenzen.
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