CHOLERA

1. Was ist Cholera?

Cholera ist eine akute bakterielle Infektionskrankheit des Verdauungstraktes, die durch Cholera-Vibrionen (Vibrio cholerae) verursacht wird.

Die wichtigsten Informationen:

  • Was verursacht die Krankheit? Das gramnegative Bakterium Vibrio cholerae (hauptsächlich Serogruppen O1 und O139).

  • Wie kommt es zur Ansteckung? Die Infektion erfolgt fäkal-oral, meist durch:

    • Trinken von Wasser, das mit Fäkalien einer erkrankten Person oder eines Trägers verunreinigt ist,
    • Verzehr von Lebensmitteln, die in solchem Wasser gewaschen oder zubereitet wurden,
    • Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten aus verunreinigten Gewässern,
    • seltener – direkter Kontakt mit Erkrankten oder Trägern (schmutzige Hände).
  • Wer ist die Quelle des Erregers? Eine erkrankte Person oder ein asymptomatischer Träger. Bakterien können bis zu 10 Tage nach der Infektion mit dem Stuhl ausgeschieden werden und Wasser sowie Umgebung verunreinigen.

  • Inkubationszeit: Von einigen Stunden bis zu 5 Tagen, meist 2–3 Tage.

  • Wer ist am meisten gefährdet?

    • Reisende in Regionen mit niedrigem Hygienestandard und schlechter Wasserqualität,
    • Personen, die sich langfristig in Ländern aufhalten, in denen Cholera endemisch ist (Teile Afrikas, Asiens, Lateinamerikas),
    • Mitarbeiter humanitärer und medizinischer Missionen in Flüchtlingslagern, Katastrophen- und Konfliktgebieten,
    • Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke – bei ihnen entwickelt sich eine Dehydrierung schneller.

In Ländern mit hohen Hygienestandards wie Polen stellt Cholera keine wesentliche Bedrohung dar – Einzelfälle sind meist eingeschleppte Erkrankungen von Reisen.

2. Symptome von Cholera

Bei den meisten Infizierten verläuft die Infektion asymptomatisch oder mit wenigen Symptomen. Etwa 1 von 10 Infizierten entwickelt eine voll ausgeprägte Krankheit.

Häufigste Symptome:

  • plötzlicher, massiver, wässriger Durchfall ohne Bauchschmerzen,
  • Stühle mit charakteristischem Aussehen – wie „Reiswasser“,
  • Erbrechen, oft ohne vorhergehende Übelkeit,
  • zunehmender Durst,
  • Muskelkrämpfe (Folge des Elektrolytverlusts),
  • trockene, wenig elastische Haut, trockene Zunge und Schleimhäute,
  • „eingefallenes“ Gesicht, Schwäche, heisere Stimme.

Krankheitsverlauf:

  • Die Krankheit kann sich sehr schnell entwickeln – innerhalb von 24 Stunden kann der Patient Dutzende Liter wässrigen Stuhls absetzen.
  • Ohne Behandlung kommt es zu rapider Dehydrierung, Azidose, Elektrolytstörungen und anschließend zu:
    • Blutdruckabfall und hypovolämischem Schock,
    • akutem Nierenversagen,
    • Bewusstseinsstörungen, Krämpfen (z. B. hypoglykämisch).

Bei richtiger, schneller Rehydrierung gesunden die meisten Kranken; die Sterblichkeit sinkt auf ca. 1 %. Unbehandelte schwere Cholera kann in kurzer Zeit zum Tod führen.

Wann dringend Arzt kontaktieren / ins Krankenhaus gehen?

Besonders nach Rückkehr aus Ländern mit niedrigeren Hygienestandards, wenn auftritt:

  • sehr massiver, wässriger Durchfall und/oder wiederholtes Erbrechen,
  • Anzeichen von Dehydrierung:
    • Mundtrockenheit, fehlender Speichel,
    • dunkler, spärlicher Urin oder dessen Fehlen,
    • starke Schwäche, Schläfrigkeit, Schwindel, Ohnmacht,
  • Fieber, starke Bauchschmerzen, Verwirrtheit, Unruhe,
  • Schocksymptome: kalte, feuchte Haut, schneller Puls, Blutdruckabfall.

In solchen Situationen ist dringende ärztliche Hilfe, am besten im Krankenhaus, erforderlich.

3. Wo tritt Cholera auf?

Für Reisende ist entscheidend, dass Cholera hauptsächlich in Regionen mit schlechteren sanitären Bedingungen, hoher Bevölkerungsdichte und erschwertem Zugang zu sauberem Wasser vorkommt.

Kontinente und Gebiete mit höchstem Risiko:

  • Afrika

    • viele Länder Ost- und Zentralafrikas, u. a. Kenia, Tansania, Demokratische Republik Kongo, Sudan, Somalia, Zentralafrikanische Republik;
    • Cholera-Ausbrüche treten oft in Regionen auf, die von Konflikten und Naturkatastrophen betroffen sind.
  • Asien

    • Indischer Subkontinent: Indien, Bangladesch, Nepal und Nachbarländer – klassische Endemiegebiete,
    • Teile Südostasiens,
    • ausgewählte Regionen des Nahen Ostens (z. B. Jemen).
  • Lateinamerika und Karibik

    • Haiti – langjährige, wiederkehrende Ausbrüche,
    • Dominikanische Republik (besonders Grenzregionen zu Haiti),
    • periodische Erkrankungen in anderen Ländern der Region.

Für wen ist diese Information besonders wichtig?

  • Personen, die exotische Reisen in Länder Afrikas, Südasiens und Teile Lateinamerikas planen.
  • Reisende in Regionen mit niedrigem Wasser- und Abwasserstandard (Dörfer, Slums, Lager, Überschwemmungsgebiete).
  • Freiwillige, medizinisches Personal und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen.

In Ländern mit hohem Hygienestandard sind Cholerafälle selten und meist mit Reisen in Endemiegebiete verbunden.

4. Wie schützt man sich vor Cholera?

A. Allgemeine Vorbeugung

In Ländern mit erhöhtem Cholerarisiko gilt die Regel: „Boil it, cook it, peel it… or forget it“ – koch es, brat es, schäl es… oder vergiss es.

Die wichtigsten Regeln:

  1. Wasser

    • trinken Sie nur Flaschenwasser mit unversehrtem Verschluss oder abgekochtes Wasser,
    • vermeiden Sie Eiswürfel (meist aus nicht abgekochtem Wasser),
    • verwenden Sie auch zum Zähneputzen Flaschenwasser oder abgekochtes Wasser.
  2. Essen

    • essen Sie frisch gekochte, gut durchgebratene Speisen,
    • vermeiden Sie rohe Meeresfrüchte und Fisch,
    • waschen Sie Obst und Gemüse in sicherem Wasser, am besten schälen Sie es,
    • schränken Sie Essen von Straßenständen ein, besonders dort, wo Sie unsicher bzgl. der Hygiene sind.
  3. Persönliche Hygiene

    • waschen Sie oft die Hände mit Wasser und Seife, besonders nach dem Toilettengang und vor dem Essen,
    • wenn kein Wasser verfügbar ist – nutzen Sie Händedesinfektionsmittel auf Alkoholbasis,
    • vermeiden Sie es, Hände in den Mund zu nehmen, das Gesicht zu berühren.
  4. Sanitäre Bedingungen

    • nutzen Sie Toiletten mit möglichst hohem Standard,
    • bei Durchfall achten Sie sorgfältig auf Hygiene – um Bakterien nicht auf andere zu übertragen.

Das Befolgen dieser Regeln senkt das Infektionsrisiko erheblich, eliminiert es aber nicht – besonders bei längerem Aufenthalt in Endemiegebieten. Daher ist die Impfung eine wichtige Ergänzung des Schutzes.

B. Impfung gegen Cholera

Impfungen sind ein Schlüsselelement des Schutzes für Personen, die in Gebiete mit erhöhtem Risiko reisen.

Impfstoffarten

Derzeit werden orale Cholera-Impfstoffe verwendet, die enthalten:

  • inaktivierte (tote) Vibrio cholerae Bakterien (z. B. Dukoral),
  • oder lebende, abgeschwächte (attenuierte) Stämme (z. B. Vaxchora – Verfügbarkeit länderabhängig).

In Polen ist vor allem der Impfstoff Dukoral registriert und verwendet.

Für wen wird die Impfung empfohlen?
  • für Reisende in Regionen, in denen Cholera endemisch vorkommt,
  • für Personen, die einen längeren Aufenthalt an Orten mit niedrigem Hygienestandard planen,
  • für Teilnehmer humanitärer Missionen, Mitarbeiter des Gesundheitswesens, Militär, Freiwillige in Katastrophen- und Konfliktgebieten,
  • besonders erwägenswert bei chronisch Kranken, Kindern und älteren Menschen, bei denen Dehydrierung schneller lebensbedrohlich sein kann.
Impfschema – Dukoral (oraler, inaktivierter Impfstoff)
  • Erwachsene und Kinder ≥ 6 Jahre
    • 2 Dosen im Abstand von 1–6 Wochen.
  • Kinder 2–6 Jahre
    • 3 Dosen im Abstand von 1–6 Wochen.

Wichtig:

  • Der Schutz tritt etwa 1 Woche nach der letzten Dosis ein,
  • die Impfung sollte mindestens 7 Tage vor der Abreise abgeschlossen sein.
Auffrischimpfungen
  • Erwachsene und Kinder ≥ 6 Jahre: 1 Auffrischdosis alle 2 Jahre,
  • Kinder 2–6 Jahre: 1 Auffrischdosis alle 6 Monate, wenn sie weiter in der Risikozone bleiben oder eine weitere Reise planen.
Dauerhaftigkeit der Immunität
  • bei Erwachsenen und Kindern ≥ 6 Jahre – ca. 2 Jahre,
  • bei Kindern 2–6 Jahre – ca. 6 Monate, daher benötigen sie häufiger eine Auffrischimpfung.
Regeln zur Einnahme des oralen Impfstoffs
  • Impfstoff auf nüchternen Magen einnehmen,
  • mindestens 1 Stunde vor und 1 Stunde nach der Impfung auf Essen, Trinken und Einnahme anderer Medikamente verzichten,
  • sehr wichtig ist der Abschluss des vollen Zyklus (alle Dosen), um vollen Schutz zu erhalten.
Zusätzliche Anmerkungen
  • Kein Impfstoff bietet 100 % Schutz – daher müssen auch nach der Impfung Hygieneregeln (Wasser, Essen, Hände) eingehalten werden.
  • Einige Präparate, wie Dukoral, können dank der Untereinheit des Toxins B auch teilweisen Schutz vor Reisedurchfall bieten, der durch ETEC verursacht wird.

5. Zusammenfassung

Cholera ist eine gefährliche, aber weitgehend vermeidbare Krankheit. Wir stecken uns meist durch verunreinigtes Wasser und Essen in Ländern mit schlechteren sanitären Bedingungen an. Die Krankheit kann in kurzer Zeit zu schwerer Dehydrierung und lebensbedrohlichen Komplikationen führen, wenn nicht schnell eine richtige Rehydrierungstherapie eingeleitet wird.

Warum lohnt es sich, sich impfen zu lassen?

  • Die Impfung senkt das Risiko einer Choleraerkrankung erheblich,
  • kann auch das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs verringern,
  • ist besonders wichtig dort, wo der Zugang zu schneller medizinischer Hilfe erschwert ist.

Wer sollte besonders eine Impfung in Betracht ziehen?

  • Reisende nach Subsahara-Afrika, Teile Asiens und Lateinamerikas,
  • Personen, die in Regionen mit niedrigem Hygienestandard reisen (Lager, Mission, Arbeit im Feld),
  • Kinder, ältere und chronisch kranke Menschen, die in Endemiegebiete reisen.

Wann lässt man sich am besten impfen?

  • Optimal mindestens 2–3 Wochen vor Abreise,
  • um Zeit für die Einnahme aller Dosen und den Aufbau der Immunität zu haben (mindestens 7 Tage nach der letzten Dosis).

Dank der Kombination aus Impfung und vernünftigen Hygieneregeln können Sie das Erkrankungsrisiko deutlich senken und Ihre Reise ruhig genießen.