Die invasive Meningokokken-Erkrankung (IME) ist eine schwere bakterielle Infektion, die durch Meningokokken (Neisseria meningitidis) verursacht wird – am häufigsten Serogruppen A, B, C, seltener Y und W. Sie kann hauptsächlich zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) und/oder einer Sepsis (Blutvergiftung) führen.
Wie kommt es zur Ansteckung: meist durch Tröpfcheninfektion und Kontakt mit Sekreten der Atemwege/Speichel (z. B. enger Kontakt, Küssen, gemeinsames Geschirr, Aufenthalt an überfüllten Orten).
Quelle des Erregers (Reservoir): ausschließlich der Mensch – Kranke sowie asymptomatische Träger (oft Jugendliche und junge Erwachsene).
Eintrittspforte: meist der Nasenrachenraum.
Inkubationszeit: 2–10 Tage (am häufigsten 3–4 Tage).
Wer ist am meisten gefährdet:
Kinder < 5 Jahre,
Jugendliche und junge Erwachsene (ca. 15–24 Jahre),
Personen 65+,
Personen mit geschwächter Immunität,
Personen, die in Gemeinschaften leben (z. B. Studentenwohnheime, Internate, Kasernen, Kindergärten, Obdachlosenheime, Massenveranstaltungen/Pilgerreisen),
Raucher und Personen nach einer kürzlichen Atemwegsinfektion.
2. Symptome der invasiven Meningokokken-Erkrankung
IME kann sich sehr schnell entwickeln. Ein Teil der Fälle verläuft fulminant – zu einem schweren Zustand oder sogar zum Tod kann es innerhalb von 1–2 Tagen nach Krankheitsbeginn kommen.
Nekrosen der Haut/Gliedmaßen (manchmal Amputation notwendig),
Nieren- und anderes Organversagen,
Tod (auch bei schneller Behandlung möglich).
Wann dringend zum Arzt / in die Notaufnahme:
hohes Fieber mit starken Kopfschmerzen und/oder Nackensteifigkeit,
hämorrhagischer Ausschlag/Petechien (besonders wenn sie auf Druck nicht verblassen),
schnelle Verschlechterung des Zustands, Verwirrtheit, Schläfrigkeit „nicht weckbar“,
Sepsis-Symptome: sehr schnelle Atmung, extreme Schwäche, kalte Gliedmaßen, Schüttelfrost,
besorgniserregende Symptome bei kleinen Kindern (Apathie, untröstliches Weinen, übermäßige Schläfrigkeit, Erbrechen).
3. Wo kommt invasive Meningokokken-Erkrankung vor?
Die Meningokokken-Erkrankung kommt weltweit vor.
Höchstes Epidemie-Risiko: Subsahara-Afrika, Sahelzone – der sog. „Meningitis-Gürtel“, besonders in der Trockenzeit (etwa von November/Dezember bis Juni).
Saudi-Arabien: Epidemien wurden verzeichnet (u. a. Serogruppe W), besonders unter Pilgern.
Westeuropa und Nordamerika: häufiger Ausbrüche im Zusammenhang mit Serogruppe C (bzw. B).
Im gemäßigten Klima treten Erkrankungen häufiger im Winter und Frühling auf.
Diese Information ist besonders wichtig für Personen, die Reisen nach Subsahara-Afrika, Pilgerreisen sowie Reisen im Zusammenhang mit großen Menschenansammlungen (Festivals, Studentenwohnheime, Kasernen) planen.
4. Wie schützt man sich vor invasiver Meningokokken-Erkrankung?
A. Allgemeine Vorbeugung
vermeiden Sie engen Kontakt mit Personen, die Infektionssymptome haben,
in der Krankheitssaison und an überfüllten Orten: begrenzen Sie Risikokontakte (Gedränge, längerer Aufenthalt in geschlossenen Räumen),
teilen Sie keine Getränke, Essen, Besteck; achten Sie auf Händehygiene,
nach Kontakt mit einem bestätigten IME-Fall – dringender Kontakt mit einem Arzt (evtl. Chemoprophylaxe für Kontaktpersonen erforderlich).
B. Impfung (Schlüsselprophylaxe)
In der Praxis unterscheidet man zwei Hauptrichtungen des Schutzes:
Impfung gegen Meningokokken ACWY (Konjugatimpfstoffe, vierwertig),
Impfung gegen Meningokokken B (separate Präparate).
Impfstoffarten (Beispiele verfügbarer Präparate):
ACWY (konjugiert): Nimenrix, Menveo, MenQuadfi,
B (monovalent): Bexsero, Trumenba,
(zusätzlich gibt es Impfstoffe nur gegen C, z. B. NeisVac-C).
Für wen besonders empfohlen:
Personen aus Risikogruppen (kleine Kinder, Jugendliche/junge Erwachsene, Personen 65+, geschwächte Immunität),
Personen, die in Gemeinschaften leben/lernen/arbeiten (Wohnheim, Internat, Kaserne),
Reisende in Gebiete mit höherem Risiko (z. B. Meningitis-Gürtel in Afrika),
Pilger nach Saudi-Arabien (Hadsch/Umrah).
Impfschema (allgemein – hängt von Alter und Präparat ab):
ACWY: bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen meist 1 Dosis. Bei den jüngsten Kindern kann das Schema mehr als 1 Dosis umfassen (altersabhängig).
MenB: meist 2 Dosen (Abstand hängt von Präparat und Alter ab); in manchen Situationen 3-Dosen-Schema möglich (z. B. für Personen mit höherem Risiko – Arztentscheidung).
Auffrischimpfungen und Schutzdauer:
Die Immunität nach der Impfung hält meist einige Jahre an (oft wird ein Bereich von ca. 4–10 Jahren angegeben, je nach Impfstoff und Alter bei der Impfung).
Bei Personen mit anhaltend hohem Risiko kann der Arzt oder Apotheker eine Auffrischimpfung erwägen; Bedeutung können auch Einreisebestimmungen haben (Zertifikat).
Wann vor der Reise impfen:
empfohlen wird die Einnahme der Dosis/der den Zyklus abschließenden Dosis mindestens 2 Wochen vor der Reise, und praktisch lohnt es sich, Zeitpuffer zu haben (besonders wenn 2 Dosen MenB nötig sind).
Einreisebestimmungen (Saudi-Arabien):
für Pilger nach Mekka ist die vierwertige ACWY-Impfung obligatorisch und erfordert einen Impfnachweis.
5. Zusammenfassung
Die invasive Meningokokken-Erkrankung ist eine Infektion, die sich sehr rasant entwickeln und zu Sepsis oder Hirnhautentzündung führen kann. Die Impfung ist eine der wirksamsten Schutzmethoden – besonders bei kleinen Kindern, Teenagern und jungen Erwachsenen, Personen mit geschwächter Immunität sowie Personen in großen Menschenansammlungen. Vor einer Reise (besonders nach Subsahara-Afrika oder auf Pilgerreise) planen Sie die Impfung am besten im Voraus – mindestens 2 Wochen, und bei Mehrdosen-Schemata entsprechend früher.
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